Euro Franken

Frankenstärke - eine erste Zwischenbilanz

Vor sechs Monaten hat die Nationalbank entschieden, den Euro-Mindestkurs aufzuheben. Die starke Überbewertung des Frankens hat gravierende Folgen für die Realwirtschaft. Wie sieht die Situation heute aus?

Im SKO-Artikel vom 3. Februar hat die SKO angesichts der robusten Schweizer Wirtschaft und ihrer Innovationskraft davor gewarnt, übereilte Entscheidungen zu fällen. Unsere damalige Beurteilung der Situation und der möglichen Massnahmen haben nach wie vor Gültigkeit. Denn nicht alle Branchen sind gleich stark von der Aufhebung des Euromindestkurses betroffen. Die Pharmaindustrie und Firmen mit Marktführerschaft in einem Produktsegment sind dem Preiswettbewerb dank ihrer Forschungsleistung und Patentschutz weniger ausgesetzt. Betroffen von der Frankenstärke sind vor allem Hersteller von austauschbaren Standardprodukten mit hoher Preiselastizität und Firmen, deren Wertschöpfung in Schweizer Franken erfolgt, die Rechnungsstellung aber in Euro. Diese Unternehmen sind gezwungen, Massnahmen umzusetzen, darunter auch Verlagerungen von Funktionen ins Ausland.

Eine erste Bilanz

Nach sechs Monaten kann eine erste Bilanz gezogen werden. Die meisten Unternehmen prüfen mit Bedacht, welche Massnahmen zu ergreifen sind und berücksichtigen dabei die bisher hoch gehaltenen Werte, wie Flexibilität und Loyalität der Belegschaft. Positiv hervorzuheben sind Massnahmen zur Bewältigung des starken Frankens, die in Zusammenarbeit mit den Arbeitnehmervertretern entwickelt wurden. Dazu gehören befristete Vereinbarungen zur Produktivitätssteigerung, die als Gegenleistung eine Arbeitsplatzgarantie für die gleiche Zeitdauer beinhalten, wie dies bei Bühler, SBB Cargo und Stadlerrail umgesetzt wurde.

Die Halbjahreszahlen 2015 zeigen, dass es auch im Industriesektor verschiedene Firmen gibt, die der Frankenstärke trotzen, darunter namhafte Firmen, wie Schindler oder Ems Chemie.

Inzwischen hat sich der Euro auf gegen 1.10 erholt, ein Kurs, mit dem sowohl der Bundesrat als auch der Arbeitgeberverband gemäss Aussagen seines Präsidenten Valentin Vogt leben könne. Die Konjunktur hat sich zwar merklich abgekühlt. Die Erstarkung des Dollars, die Aufhellung der europäischen Wirtschaft und die robuste Schweizer Inlandnachfrage durch den privaten Konsum sorgen jedoch dafür, dass auch 2015 mit einem bescheidenen Wachstum zu rechnen ist.  Gemäss KOF ist auch der Tourismus weniger stark betroffen, als ursprünglich angenommen. Für 2015 geht man von einem moderaten Rückgang der Hotellogiernächte um -0.6% aus.

Kostensenkungen weiterhin im Fokus

Die Situation bleibt delikat. Der Schutz der Arbeitsplätze muss nach wie vor Vorrang haben. Unternehmen sind weiterhin daran, ihre Prozesse und Strukturen auf Effizienzsteigerungen zu überprüfen, um Kosten zu reduzieren. Angesichts der Tatsache, dass die Prognose für die Konsumentenpreisentwicklung gemäss SECO für 2015 bei -1,0% liegt, ist in den betroffenen Branchen von einer Nullrunde bei den Löhnen für 2016 auszugehen. Eine Senkung der Nominallöhne zur Dämpfung des Kostenschocks ist hingegen psychologisch heikel. Der private Konsum ist zudem für die Inlandnachfrage wichtig und die Lohnstückkosten wurden aufgrund der Arbeitszeiterhöhung bereits in vielen Betrieben gesenkt. Vorstellbar für die SKO sind eine zeitliche Verlängerung der Arbeitszeiterhöhung und Vereinbarungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern nach dem Prinzip Leistung und Gegenleistung: Beispielsweise verzichten Arbeitnehmer zur Verbesserung der Konkurrenzfähigkeit auf Lohnerhöhungen und akzeptieren eine Verlängerung der Arbeitszeitausdehnung. Unternehmen investieren dafür erzielte Kostenvorteile und personelle (Ueber-)Kapazitäten in Projekten für Prozessverbesserungen, Innovationen und Produktentwicklungen und geben eine zeitlich befristete Arbeitsplatzgarantie ab.

Kostensenkend wirken gemäss Bürokratiemonitor 2014 auch Entlastungsmassnahmen durch Bürokratieabbau. Vereinfachte Vollzugsprozesse und die Unterstützung durch E-Government-Dienstleistungen sind jedoch nicht sofort umsetzbar und benötigen einen politischen Konsens darüber, was dringlich ist und Wirkung entfaltet.