Lohngerechtigkeit_Mann_Frau

Resultate der SKO-Mitgliederumfrage zu gesetzlichen Massnahmen zur Verbesserung der Lohngleichheit

Vom gesteckten Ziel der Lohngleichheit von Mann und Frau ist die Schweiz trotz Verfassungsartikel und Gleichstellungsgesetz noch weit entfernt. Was halten SKO-Mitglieder von den Absichten des Bundesrats, Arbeitgeber gesetzlich zu verpflichten, regelmässig eine Lohnanalyse durchzuführen?

Die Sozialcharta der SKO sagt zu diesem Thema: 

"Die SKO unterstützt Ziele und Massnahmen zur Verwirklichung der tatsächlichen Gleichstellung von Mann und Frau. Dabei gilt für die SKO das Prinzip "Gleicher Lohn für gleichwertige Funktionen, Leistungen und Erfahrungen". Die Umsetzung dieses Prinzips ist ein Gebot der Fairness, eliminiert Diskriminierungen und ermöglicht eine bessere Integration von Frauen in der Arbeitswelt."

Quantitative Resultate der Umfrage

Die SKO hat eine Kurzumfrage bei Ihren Mitgliedern durchgeführt. Gegen 250 Führungskräfte und Kadermitglieder haben daran teilgenommen mit folgenden Resultaten:

  • 67% befürworten grundsätzlich gesetzliche Massnahmen zur Durchsetzung der Lohngleichheit von Mann und Frau, weil freiwillige Massnahmen bisher versagt haben. 26% sind dagegen, 7% waren unschlüssig bzw. gaben keine Antwort.
  • Ebenso sind 67% der Teilnehmenden dafür, dass Betriebe dazu verpflichtet werden, regelmässig eine Lohnanalyse durchzuführen und sich kontrollieren zu lassen.
  • Die Meinungen bezüglich der Frage, ob man Strafmassnahmen für Betriebe, welche die Lohn-Gleichbehandlung verletzen, unterstütze, sind geteilt. 48% Ja- stehen 44% Nein-Antworten gegenüber.

Qualitative Differenzierungen

Die qualitativen Aussagen zeigen ein paar interessante Differenzierungen:

  • Mitglieder befürworten gesetzliche Regelungen vor allem deshalb, weil sie überzeugt sind, dass die Gleichstellung in Betrieben auf freiwilligem Wege nicht umgesetzt werden kann: "Dass heute noch Lohngleichheit von Mann und Frau gefordert werden muss, zeigt auf, wie weit entfernt von Menschen in den Unternehmen geführt wird. Ich wünschte mir eine Arbeitswelt, in der keine Gesetze für Selbstverständlichkeiten geschaffen werden müssen." Oder: " Wir schreiben das Jahr 2015 und wir diskutieren in der fortschrittlichen Schweiz immer noch über Grundsätze, welche ohne wenn und aber eingeführt sein sollten. Das stimmt mich traurig." Und: "Comme la méthode douce ne fonctionne pas, il faut passer par au niveau au dessus".
  • Einige Mitglieder sind der Meinung, dass die Frauen ihr Schicksal selber in die Hand nehmen sollten: "Frauen sollten lernen, Frauen zu fördern." Oder: "Es liegt in der Eigenverantwortung der Frauen, sich in der Wirtschaft durchzusetzen und entsprechende Löhne zu fordern." Und: "C'est à nous les femmes de nous battent pour faire valoir nos droits, trop de contrainte ne peut que desservir le droit des femmes".
  • Gesetzliche Massnahmen zur Umsetzung der Lohngleichheit werden vor allem aus Kostengründen abgelehnt: " Der Aufwand, um Lohngleichheit gesetzlich durchzusetzen, wäre immens und somit auch teuer. "Betriebe werden bereits heute mit Statistiken und Kontrollen überflutet, das kostet alles Geld." Und: " Es wird immer schwarze Schafe geben, trotz Gesetzen. Mit solchen Instrumenten werden leider einmal mehr all jene zu Mehraufwand verpflichtet, der bei ethisch und moralisch korrekter Haltung gar nicht notwendig wäre."

Forderung nach mehr Transparenz und Information

Relativ grosse Übereinstimmungen von Gegnern und Befürwortern gesetzlicher Massnahmen besteht in der Forderung nach mehr Transparenz. Es geht darum, den Druck auf Unternehmen zu erhöhen und Lohndiskriminierungen als inakzeptable Verhaltensweise zu verankern. Als mögliche Massnahmen werden genannt:

  • Lohnanalysen durchführen mit der Verpflichtung, die Resultate und Massnahmen zur Behebung von Missständen zumindest intern zu veröffentlichen. Das erhöht den Druck und führt automatisch zu Anpassungen.
  • Verpflichtung zu transparenten Lohnsystemen, damit Mitarbeitende sich selber einzustufen und bei Abweichungen eine Begründungen einfordern können.
  • Pflicht des Unternehmens vor Vertragsunterzeichnung, die Lohnskala und Lohnbandbreiten für die zu besetzende Funktion gegenüber dem Neuangestellten offenzulegen.
  • Beförderungsprozesse schaffen, welche die Beförderungskriterien und Anforderungen an jede zu besetzende Stelle intern offenlegen. Denn wenn Frauen gar keine Möglichkeiten erhalten, in einem Beförderungsprozess berücksichtigt zu werden, dann reicht die Forderung gleicher Lohn für gleiche Arbeit/Funktion alleine nicht.

Einige Mitglieder kritisieren die mangelnde Aufklärung sowohl von Führungskräften als auch von Betrieben. Es braucht:

  • eine breitere öffentliche Diskussion auf verschiedenster Ebene und v.a. im Arbeitgeber-nahen Umfeld, so dass Firmen animiert werden, faire Löhne für beide Geschlechter zu zahlen;
  • eine Stärkung der Eigenverantwortung der Mitarbeitenden, sich für die Durchsetzung der Lohngleichheit zu engagieren. Vor allem Frauen sollten gezielt gefördert werden, damit sie konkrete Vorstellungen in Lohnverhandlungen einbringen, statt nur das akzeptieren, was angeboten wird.
  • eine verstärkte Sensibilisierung in der beruflichen Grund- und Weiterbildung für die Vollzugsprobleme des Verfassungsartikels und das Gleichstellungsgesetzes.