Neuer GAV als zeitgemässes Vertragswerk in der MEM-Industrie

Die Sozialpartner der Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie (MEM-Industrie) haben eine Einigung über die Inhalte eines neuen Gesamtarbeitsvertrags (GAV) erzielt. Im Fokus der Verhandlungen standen die Sicherung der Arbeitsmarktfähigkeit der Mitarbeitenden der MEM-Branche sowie die Verbesserung der Attraktivität der MEM-Industrie durch flexible Arbeitsmodelle, auch im Hinblick auf den Fachkräftemangel.

Vorbehalten der Zustimmung der Organe der Arbeitnehmerverbände und von Swissmem tritt der neue GAV am 1. Juli 2018 in Kraft.

Der bestehende GAV der MEM-Branche läuft am 30. Juni aus. Deshalb verhandelten seit Mitte Februar 2018 die Sozialpartner der MEM-Industrie mit Swissmem/ASM, die Angestelltenverbände Angestellte Schweiz und Kaufmännischer Verband, die Schweizer Kader Organisation als Interessensvertreterin des Kaders und der beiden Gewerkschaften Syna und Unia über die Erneuerung des GAV. Die Ausgangslage war angesichts der unterschiedlichen Interessen der Partner herausfordernd. Umso erfreulicher sind die Resultate.

Der neue Gesamtarbeitsvertrag bringt Arbeitgebern wie auch Arbeitnehmenden Vorteile und erhöht die Attraktivität der MEM-Industrie.

Unter anderem sind verschiedene Massnahmen zur Förderung von Weiterbildungen vorgesehen, die insbesondere die Arbeitsmarktfähigkeit von jungen und älteren Mitarbeitenden stärken. Mit der «Passerelle 4.0» wird ein Umschulungskonzept für Mitarbeitende im GAV verankert, deren Stellen vom raschen technologischen Wandel bedroht sind. Damit vermehrt Frauen in die MEM-Branche geholt und diese auch zum Bleiben bewegt werden können, wurden Massnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie beschlossen. So sollen Betriebe nach ihren betrieblichen Möglichkeiten flexible Arbeitsmodelle und Home-Office einführen, vorübergehende Arbeitszeitreduktionen bei Familienpflichten ermöglichen und Vollzeitstellen konsequent mit «80-100%» ausschreiben.

Verzicht auf Arbeitszeiterfassung für Kader

Integriert im neuen GAV sind Bestimmungen zum Verzicht auf Arbeitszeiterfassung für Mitarbeitende, deren Bruttojahreseinkommen über 120'000 Franken liegt und die über eine grosse Autonomie bei der Gestaltung ihrer Arbeit verfügen. Der damit verbundene notwendige Gesundheitsschutz wird dabei verstärkt.

Stellung älterer Mitarbeitender gestärkt

Für ältere Mitarbeitende wurde eine besondere Sorgfaltspflicht vereinbart. Die Kündigungsfrist für ältere Arbeitnehmende, die über 55 Jahre alt sind und mehr als zehn Dienstjahre aufweisen, wurde um einen Monat verlängert.

Die Schweizer Kader Organisation SKO begrüsst dieses Ergebnis der GAV-Verhandlungen. Geschäftsleiter Jürg Eggenberger: «Dieses gemeinsame Ergebnis spricht für die Schweiz. Es zeigt, dass die Werte und Qualitäten der Schweiz – wie Kompromissbereitschaft, Fokus auf Gemeinsamkeiten statt auf das Trennende, partnerschaftliches Aushandeln – Erfolg haben und dass die Sozialpartnerschaft nach wie vor eine wichtige Grundlage für sozialen Frieden ist und einen Beitrag zur Prosperität der Schweizer Wirtschaft leistet.»

Rückfragen

Jürg Eggenberger, Geschäftsleiter, +41 76 396 19 17 oder +41 43 300 50 50, j.eggenberger@sko.ch